Siebter Baustein: Die Heizungsanlage

Darauf kommt es an

  • Die effizienteste Technik fürs Heizen mit Erdgas und Heizöl ist die Brennwerttechnik.
  • Für effizientes Heizen mit einem Brennwertkessel muss die gesamte Heizungsanlage optimal ausgelegt sein.
  • Ein Brennwertkessel ist effizienter, wenn er in der beheizten Wohnung steht. Dann lässt sich auch die abgestrahlte Wärme nutzen.
  • Die neue Heizungsanlage sollte eine Hocheffizienzpumpe haben.
  • Ältere Niedertemperaturkessel sind unterschiedlich effizient. Wenn in einem ungedämmten Altbau ein relativ effizienter Altkessel steht, sind die Einspareffekte durch Wärmedämmung überdurchschnittlich hoch.
  • Ein hydraulischer Abgleich der Heizkörper macht die Heizung effizienter.

In den bundesdeutschen Wohngebäuden dominieren beim Heizen Gas und Öl. Rund 50 Prozent aller Haushalte nutzen Erdgas, weitere 26 Prozent Heizöl. Aus diesen Brennstoffen holen optimal laufende Brennwert-Heizkessel durch Abgaskondensation ein Höchstmaß an Heizwärme heraus. Die Brennwerttechnik ist deshalb der Maßstab für effizientes Heizen mit Gas und Öl.

Brennwert-Gaskessel mit integriertem Warmwasserspeicher. Eine solche Heizungsanlage lässt sich durch den raumluftunabhängigen Betrieb auch in der Wohnung aufstellen. (Foto: Junkers)

Derzeit nutzen allerdings nur etwa drei von zehn Gas- und Ölheizungen Brennwerttechnik. In den allermeisten Kellern stehen weniger effiziente "Heizwertanlagen". So bezeichnen Schornsteinfeger alle Heizungen, die die Kondensationswärme im Abgas und damit den vollen Brennwert von Gas und Öl nicht nutzen.

Heizwertanlagen sind technisch gesehen allesamt überholt. Aber wann ist eine Heizwertanlage tatsächlich reif für eine Modernisierung? In Modernisierungsbroschüren wird oft pauschal empfohlen, über 20 Jahre alte Heizkessel auszumustern. Aus Sicht des Altbaueigentümers ist allerdings nicht das Alter der Heizung entscheidend. Vielmehr zählt, wie hoch der Einspareffekt durch eine neue Brennwertanlage ist.

Eine Heizungsmodernisierung lohnt sich, wenn die neue Brennwertheizung deutlich mehr als zehn Prozent Brennstoff einspart. Das ist beim Austausch von manchen alten Niedertemperaturkesseln aber gar nicht so leicht zu erreichen. Niedertemperaturkessel nutzen zwar keine Kondensationswärme wie Brennwertkessel und haben vergleichsweise höhere Abgasverluste. Aber abgesehen davon können auch über 20 Jahre alte Niedertemperaturkessel "Energiespar-Heizkessel" sein. Das zeigt die Entwicklung der Heiztechnik in den letzten Jahrzehnten.

Wie effizient sind ältere Niedertemperaturkessel?

Ab Mitte der 1980er-Jahre waren Energiesparen und Umweltschutz die Hauptargumente, mit denen die Heizkesselhersteller für die damals neu entwickelten Niedertemperaturkessel warben. Die innovativen Niedertemperaturkessel fanden in den darauf folgenden Jahren viele Käufer.

Ihr größter Vorzug bestand darin, dass sich die Vorlauftemperatur des Heizwassers durch einen außen am Haus angebrachten Temperaturfühler automatisch an die Witterungsverhältnisse anpasste. Zusätzlich sorgten eine bessere Wärmedämmung des Kessels und weniger heiße Abgase für viel geringere Energieverluste als bei der Heizkesselgeneration davor. Beflügelt durch die hohe Nachfrage, entwickelten die Hersteller immer sparsamere Niedertemperaturkessel.

Die hohe Effizienz vieler Heizkesselmodelle wurde 1990 von der Stiftung Warentest in einer Untersuchung bestätigt. Von zwölf getesteten Niedertemperaturkesseln für Erdgas und Heizöl bekamen zehn Modelle die Note "Gut". Das überschwängliche Fazit der Prüfer lautete seinerzeit: "Höchstmögliche Energieausnutzung". Aus dieser Zeit gibt es deshalb viele Altkessel, die relativ effizient sind.

Welchen Einspareffekt bringt ein Brennwertkessel?

Wenn ein nach damaligen Maßstäben sehr effizienter Niedertemperaturkessel durch einen aktuellen Brennwertkessel ersetzt wird, kann der Einspareffekt durchaus geringer als 15 Prozent ausfallen. Aber man sollte die Energieeffizienz einer alten Heizungsanlage immer im Ganzen betrachten. Dabei spielen auch die Regelbarkeit der Heizung, der Stromverbrauch der Umwälzpumpen sowie die Dämmung des Warmwasserspeichers und der Heizungsleitungen eine Rolle.

Die Effizienz einer älteren Heizungsanlage kann am besten ein Energieberater oder Heizungsfachmann beurteilen. Aber auch für Laien gibt es bestimmte Anzeichen, um abzuschätzen, ob sich der Austausch einer alten Heizung lohnt.

Diese Faktoren erhöhen das Einsparpotenzial

Viele alte Heizkessel sind in ihrer Leistung für den Wärmebedarf des Hauses im Winter zu groß dimensioniert und deshalb weniger effizient. Außerdem haben Altkessel häufig höhere Abstrahlverluste als eine moderne Heizungsanlage.

Dasselbe Problem haben auch ältere Warmwasserspeicher und Heizungsrohrleitungen wegen zu dünner und lückenhafter Wärmedämmung. Dies alles deutet auf eine geringe Energieeffizienz der Heizungsanlage hin und auf ein hohes Einsparpotenzial im Heizungskeller.

Der vom Schornsteinfegermeister gemessene Abgasverlust ist ein Anhaltspunkt dafür, wie effizient der alte Heizkessel ist.

Seit vielen Jahren gibt es gesetzliche Höchstgrenzen für den Abgasverlust bei Heizkesseln. Kessel bis 25 Kilowatt Nennwärmeleistung dürfen zum Beispiel nicht mehr als elf Prozent Abgasverluste haben. Das kontrollieren die Schornsteinfegermeister. Hauseigentümer können den Abgasverlust ihres Heizkessels in der Überprüfungsbescheinigung ablesen.

Abgasverluste von neun bis elf Prozent zeigen, dass der Kessel weniger effizient ist und eine Modernisierung der Heizung erwägenswert ist.

Ebenfalls schon länger ist der sogenannte hydraulische Abgleich als Energiesparmaßnahme ein Thema.

Dahinter steckt folgendes Problem: Bei hydraulisch nicht abgeglichenen Heizungen werden die Heizkörper unterschiedlich schnell warm. Damit dennoch alle Räume im Haus gut beheizt werden können, muss die Vorlauftemperatur des Heizkessels höher eingestellt sein. Das verursacht zusätzliche Wärmeverluste des Kessels und der Heizungsleitungen, oder mit anderen Worten: eine geringere Energieeffizienz.

Der hydraulische Abgleich der Heizkörper wurde früher nur ganz selten gemacht. Heute gehört er beim Einbau einer neuen Heizung immer dazu. Dabei stellt ein Fachmann den Durchfluss jedes Heizkörpers am Ventil unter dem Heizungsthermostat individuell ein. Danach werden alle Heizkörper gleichmäßig durchströmt und eine geringere Vorlauftemperatur reicht aus.

Welche Zukunft hat die Ölheizung?

Um die klimaschädlichen Kohlenstoffdioxid-Emissionen in Deutschland zu senken, wird ab 2021 unter anderem die Bepreisung des CO2-Ausstoßes von Gebäuden eingeführt. Dazu wird auf die fossilen Energieträger Gas und Öl eine CO2-Abgabe eingeführt. Der CO2-Preis ist Kern des 2019 verabschiedeten Klimaschutzgesetzes und des "Klimaschutzprogramms 2030". Die Gesetze enthalten auch Bestimmungen zum Einbau neuer Ölheizkessel, die dem Klimaschutz zugute kommen.

Heizen mit Öl verursacht im Vergleich zu Erdgas etwa 25 Prozent höhere CO2-Emissionen. Deshalb gelten ab 2026 erhöhte Anforderungen für Hausbesitzer, die ihre alte Ölheizung modernisieren wollen. Der neue Ölkessel muss dann mit einer Anlage zur Nutzung regenerativer Energien gekoppelt sein. Das kann zum Beispiel eine thermische Solaranlage sein. So entsteht beim Heizen mit Öl weniger CO2.

Für bestehende Ölheizungen gilt im selbst genutzten Eigenheim über 2026 hinaus ein Bestandsschutz. Heizen mit Öl wird also auch nach 2026 möglich sein.

Worauf bei Einbau eines Brennwertkessels zu achten ist

Viele Brennwertkessel nutzen den Brennwerteffekt durch die Kondensation der Abgase nur wenig oder überhaupt nicht.

Darüber hinaus schmälern oft zusätzliche Mängel wie zum Beispiel schlecht gedämmte Heizungsrohre die Energieeffizienz. Das fanden die Verbraucherzentralen vor einigen Jahren in der "Aktion Brennwertcheck" heraus.

Experten der Verbraucherzentralen hatten dazu bundesweit fast 1.000 Brennwertanlagen aller Altersklassen untersucht. Nur bei rund einem Drittel der Anlagen war die Brennwertnutzung so, wie sie sein soll. Aus der Aktion konnten die Energieexperten wertvolle Schlüsse ziehen, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit es beim Betrieb eines Brennwertkessels zur Abgaskondensation kommt, und was für eine hohe Energieeffizienz der Heizungsanlage sonst noch wichtig ist.

Am wichtigsten ist eine möglichst niedrige Rücklauftemperatur im Heizwasserkreislauf. Je niedriger die Rücklauftemperatur, desto intensiver ist der Kondensationsprozess im Abgaswärmetauscher des Kessels, und desto mehr Kondensationswärme fällt an.

Wünschenswert sind bei Gas-Brennwertkesseln Rücklauftemperaturen von unter 45 Grad Celsius und bei Öl-Brennwertkesseln von unter 35 Grad Celsius. Effizient laufende Brennwertkessel in einer gut konzipierten Heizungsanlage erreichen Jahresnutzungsgrade zwischen 93 und 95 Prozent.

Aus dem Schornstein entweichender Wasserdampf ist ein Zeichen für eine unvollständige Kondensation der Abgase im Brennwertkessel.

Die beste Voraussetzung für niedrige Rücklauftemperaturen ist eine gut gedämmte Gebäudehülle. Dann kann das Haus mit niedrigeren Heizwassertemperaturen warmgehalten werden.

Das allein reicht aber nicht aus. Eine Brennwertheizung sollte stets im Ganzen optimiert werden. Das bedeutet:

  • Die Kesselleistung sollte möglichst knapp bemessen sein, damit der Heizkessel lange Betriebsphasen hat.
  • Der Modulationsbereich des Heizkessels sollte auf niedrigster Stufe 20 Prozent der Nennleistung oder noch weniger betragen.
  • Der Heizkessel sollte kein Überströmventil haben, weil dadurch zeitweise die Rücklauftemperatur angehoben wird. Das beeinträchtigt die Brennwertnutzung. Die meisten bodenstehenden Brennwertkessel haben kein Überströmventil und sind für Einfamilienhäuser ideal.
  • Ein hydraulischer Abgleich der Heizkörper ist nur dann sinnvoll, wenn der Heizkessel kein Überströmventil hat.
  • Die sogenannte "Heizkurve" sollte an das Haus und die Heizgewohnheiten seiner Bewohner angepasst werden.
  • Der Heizkessel sollte im beheizten Wohnbereich stehen, um seine Abstrahlwärme zu nutzen. Gut geeignet sind Küche und Bad wegen der Abwasseranschlüsse für das Kondensat und wegen kurzer Leitungswege für die Warmwasserversorgung.
  • Die Heizungsumwälzpumpe sollte eine regelbare Hocheffizienzpumpe sein und von einem Fachmann optimal eingestellt werden.
  • Heizungsleitungen in unbeheizten Gebäudeteilen sollten mindestens so dick wie der Rohrdurchmesser wärmegedämmt sein.

Diese Optimierungsmöglichkeiten sollte jeder Hauseigentümer vor Einbau eines Brennwertkessels mit einem Fachmann erörtern. Denn Brennwertheizungen sind nicht automatisch hocheffizient und das Sparpotenzial, das die Brennwerttechnik bietet, sollte nicht verschenkt werden.

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